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Psychologie des antireligiösen Affektes

Narzisstische Kränkung ist ein Begriff aus der Psychodynamik, der einen zumeist unbewussten Vorgang bezeichnet, der in einer irrationalen und oftmals unkontrollierten Aggression gegenüber dem „Kränker“ mündet. Gefährdet sind insbesondere Menschen, bei denen sich eine starke Diskrepanz zwischen idealisiertem Selbstbild und der Realität entwickelt hat. Bedrohlich wird besonders der Hinweis auf die Wirklichkeit empfunden, da die Wahrheit über sich selbst als schmerzhaft mit Mühe ins Unterbewusstsein verdrängt wird.

Sigmund Freud hat in seiner Abhandlung „Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“ (1917) der Menschheit bis dahin drei schwere Kränkungen konstatierte, nämlich die Entdeckungen Kopernikus', Darwins und Freuds Unbewusstes. Die Kränkung der Postmoderne ist nun zweifellos, dass Gott nach wie vor nicht tot ist (Friedrich Nietzsche), d.h. dass die Religionen weltweit wachsen, dass immer mehr junge und gebildete Menschen sich einem transzendenten Prinzip unterordnen. Das zeigt sich insbesondere am Phänomen des Islam in Europa, aber auch an Neuaufbrüchen in der katholischen oder evangelischen Welt.

Die Renaissance des Religiösen wird als bedrohlich erlebt, da das idealisierte Selbstbild des postmodernen Menschen vorgibt, die Transzendenz nicht mehr zu benötigen. In diese narzisstische Falle ist auch Sigmund Freud selbst getappt, insofern er hier auch Kind seiner Zeit, des 19. Jahrhunderts, war. In die Abwehr der Realität, dass jedem Menschen eine natürliche Religiosität innewohnt, wird viel Kraft investiert, sodass diese Abwehrkräfte als antireligiöse Affekte wahrgenommen werden können. Da diese irrational und daher unbegründbar sind, verlieren sie sich häufig in einer überzogenen Affektivität im Sinn einer emotionalen Aufgeregtheit und Betroffenheit, um sich der rationalen Diskussion zu entziehen.

15:00 - 15:30 Uhr

Raphael M. Bonelli

RAPHAEL M. BONELLI

 
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